Sergej Michin: Treue russische Seele

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Seit mehr als acht Jahren ist Sergej Michin nicht mehr wegzudenken aus den Reihen von Team Motopark. Der gebürtige Russe aus Nowokusnezk stellt sein Können als Chefmechaniker der Formel 3-Abteilung in den Dienst von Timo Rumpfkeils Mannschaft. 

Sergej Michin koordiniert ein Team von zehn Mechanikern, bereitet die Formel 3-Fahrzeuge auf ihre Einsätze vor und arbeitet intensiv mit Ingenieuren und Fahrern zusammen, um Höchstleistung in der europäischen Formel 3-Meisterschaft zu erzielen.

Was muss man besonders gut beherrschen, um im Motorsport so lange erfolgreich zu bestehen? „Man muss ohne Schlaf weiter arbeiten können“, sagt Sergej Michin und lacht. Der 36-Jährige, der privat gerne Metallica hört, spricht fließend Deutsch, Englisch, Russisch und Niederländisch.

Ganz anders als man erwarten würde, hat er keinen typisch russischen, sondern einen niederländischen Akzent, wenn er deutsch spricht. Als er 14 Jahre alt war, sind seine Eltern mit ihm und dem kleinen Bruder in die Niederlande ausgewandert.

Damals träumte Sergej noch nicht von einer Karriere im Formelsport. Seine große Leidenschaft war der Sport. „Ich wollte eigentlich professionell Rugby spielen“, verrät er. Etwas wehmütig gesteht er, dass er dafür heute leider keine Zeit mehr hat. Dabei war es gerade anfangs noch nicht immer so stressig. „Als ich mit dem Motorsport begonnen habe vor 16 Jahren, gab es beispielsweise noch keine Wintertests“, erinnert er sich. „Da waren drei Monate Pause.“

Heute versuche man, so lange wie möglich zu testen, und so früh wie möglich wieder auf der Strecke zu sein, um sich optimal auf die Rennen vorzubereiten. Den hohen Anspruch an die gesamte Teamleistung teilt er mit seinen Kollegen.

Seine Ausbildung absolvierte Sergej Michin in einer Werkstatt im niederländischen Arnheim nahe der deutsch-niederländischen Grenze. Dort arbeitete er ein Jahr, bevor er bei der Equipe Verschuur anheuerte. Wie auch sein Kollege, der Formel 4-Ingenieur Bernard Godts, hat sich Sergej Michin bei dem niederländischen Team seine Sporen verdient.

Sieben Jahre lang bestritt er mit den Holländern unter anderem den Seat Cup, Toyota Yaris Cup, die Renault Mégane Trophy und die Sportwagen Weltmeisterschaft in der LMP2. Dort konnte er auch den größten Erfolg seiner Laufbahn erleben – den Klassensieg bei den 24 Stunden von Le Mans. Nachhaltig in Erinnerung ist ihm aus dieser Zeit auch der niederländische LMP2- und Formel 1-Fahrer Jos Verstappen geblieben.

Den Kontakt zu Team Motopark knüpfte er während eines Rennwochenendes in Barcelona. „Timo hatte bei unserem Team Material gekauft, da habe ich mich kurzerhand vorgestellt“, sagt er. Bereut habe er diesen Schritt nie. Auf Trab halten ihn neben den sieben Mechanikern in der Formel 3 seine drei Mädels zuhause. Mit zwei achtjährigen Zwillingsmädchen und einem 17 Jahre alten Sohn haben er und seine Freundin alle Hände voll zu tun. Sergej Michin ist angekommen: Mit seiner Familie lebt er in einem beschaulichen Ort namens Adersleben nahe Oschersleben.