Coach Tom Dillmann: Insiderwissen vom Profi

Newsletter -

Eine ganz spezielle Position im Team bekleidet Tom Aston Dillmann. Der französische Rennfahrer bringt dem Formelnachwuchs Strecken und Fahrtechnik näher.

Eine ganz spezielle Position im Team bekleidet Tom Aston Dillmann. Der französische Rennfahrer bringt dem Formelnachwuchs Strecken und Fahrtechnik näher.

Der 28-jährige Coach ist amtierender Formel V8-Champion und sitzt seit wenigen Wochen für Venturi in der Formula E hinterm Steuer.
Eigentlich wollte Tom Dillmann gar kein Rennfahrer werden. Als er noch klein war, träumte er stattdessen von einer Karriere als Comiczeichner. Das Schicksal meinte es anders – zum Glück: Denn heute ist Tom Dillmann amtierender Champion der Formel V8 3.5, hat die deutsche Formel 3-Saison 2010 gewonnen und unterstützt mit seiner Erfahrung und seinem Können seit 2012 die Nachwuchstalente von Team Motopark.

Debüt in der Formel E

Mit Motopark ging er 2013 in der GP2 an den Start, wo er mit starken Einzelergebnissen auf sich aufmerksam machen konnte. 2015 und 2016 beteiligte er sich außerdem in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC). Ende Mai feierte Tom Dillmann ein beeindruckendes Debüt in der Formel E in Paris und konnte auch in New York überzeugen.

Als Coach betreut er derzeit die Formel 3-Jungs Joel Eriksson, Marino Sato und Keyvan Andres. Für die Nachwuchsfahrer ist er ein Idol. Beim Simulatortraining gibt er die Ideallinie vor, unterstützt mit Fachwissen und Streckenkenntnis. Bei Tests und Rennwochenenden hilft er mit seiner Erfahrung, sich schnell in die Gegebenheiten einzufinden, weist auf Besonderheiten hin und übt konstruktive Kritik auf Augenhöhe. Abseits des Renngeschehens ist er den jungen Talenten ein Freund und ermöglicht ihnen einen persönlichen Einblick in die Motorsportszene. Mit vielen ehemaligen Fahrern ist er bis heute freundschaftlich verbunden.

Vater war Mechaniker, Teamchef und Ingenieur

Dass er kein Illustrator, sondern professioneller Rennfahrer geworden ist, hat der sympathische Elsässer seinem Vater Gerard Dillmann zu verdanken. „Er war selbst Rennfahrer und hat seine Autos als sein eigener Mechaniker selbst aufgebaut“, erinnert sich der 28-Jährige. „Ich habe ihm von Anfang an in der Werkstatt geholfen.“

Tom Dillmann steigt schließlich mit seinem Vater in die Go-Kart-Szene ein, gewinnt zahlreiche Rennen und wagt den Schritt in den Formelsport. Damals sei es noch möglich gewesen, allein mit Talent, ohne Sponsoren und Millionen auf dem Konto im Motorsport Fuß zu fassen, sagt er. „Mein Vater war mein Mechaniker und Teammanager in Personalunion. Wir waren ein richtiges Familienteam. Heute wäre das undenkbar“, ist er überzeugt.

Mit 15 Jahren fährt Tom Dillmann in der belgischen Formel Renault 1.6. Mit einem Sieg in Spa wird er Fünfter in der Gesamtwertung. 2007 wird er in das Förderprogramm von Red Bull aufgenommen. In der Formel 3 Euro-Serie tritt er gegen namhafte Talente wie Romain Grosjean, Nico Hülkenberg und Kamui Kobayashi an. Ein Unfall in Nogaro lässt die Hoffnungen des schnellen Franzosen auf eine starke Saison jedoch platzen. Wegen eines gebrochenen Brustbeins und Wirbels muss er zwei Monate pausieren. Dennoch wird Dillmann Neunter in der Gesamtwertung.

Fährt neben Sam Bird für das Team

Da er Budgetprobleme hat, zieht sich Red Bull 2008 als Hauptsponsor zurück. Eine schwierige Zeit für den jungen Rennfahrer beginnt. Er sitzt für verschiedene Teams und in verschiedenen Serien im Cockpit, kann immer wieder Erfolge verbuchen. Erst 2010 bietet ihm ein Team ein Cockpit in der deutschen Formel 3 an. Er nutzt die Chance und wird Meister – vor Daniel Abt und Kevin Magnussen. 2011 startet er in mehreren Rennen in der GP3-Serie sowie in der Formel-3-Euroserie.

Trotz seines fahrerischen Könnens, das er in diversen Teams unter Beweis stellt, kämpft Tom Dillmann immer wieder mit Budgetproblemen. 2013 tritt er schließlich mit Russian Time, das von Team Motopark betreut wird, in der GP2 an. Mit Sam Bird gewinnt Dillmann die Teamwertung der GP2. Daneben hat er Rennen im französischen Porsche Carrera Cup (2014), in der Formel Renault 3.5 (2015), den ADAC GT Masters (2015), der FIA WEC (2015 und 2016) gesammelt.